Das Netzwerk IBA meets IBA hat sich auf ein Memorandum zur Zukunft Internationaler Bauausstellungen verständigt. Die Gemeinsamkeiten, die allen IBA Prozessen zugrunde liegen und sie mit hohem Anspruch verbinden sollten, wurden 2009 in zehn Empfehlungen zur Durchführung einer IBA niedergelegt. Sie sollen ihnen Fundament und Richtung geben. Gerade weil die IBAs keine feststehenden Regularien haben, muss der Stellenwert für Baukultur und Stadtentwicklung im regionalen, nationalen und internationalen Rahmen immer wieder überprüft werden. Der IBA Expertenrat überarbeitet aktuell das Memorandum und ergänzt es um Handreichungen zu wichtigen Themen, wie Organisation, Finanzierung und Projekten.


Jede IBA hat aus lokalen und regionalen Problemlagen jeweils drängende Aufgaben auf Bereiche der Architektur und Stadtplanung zentriert. Eine IBA zeichnet aus, dass sie Zukunftsfragen gesellschaftlichen Wandels auf solche Aspekte fokussiert, die räumliche Entwicklungen anstoßen und durch Gestaltung von Räumen beeinflusst werden können.


Eine IBA ist mehr als eine Architekturausstellung. Sie stellt gesellschaftliche Entwürfe zur Diskussion und gibt Antworten auf soziale Probleme nicht nur in der Gestaltung von Gebäuden, sondern auch in neuen Formen der Aneignung städtischer Räume und macht diese sichtbar.


Eine IBA entsteht aus konkreten Herausforderungen der Stadtgesellschaft, aus jeweils aktuellem Problemdruck: Zentrale Themen einer IBA müssen aus Anlass und Ort herausgearbeitet werden. Jede IBA hatte ihre Vorgeschichte durch lokal oder regional begrenzte Initiativen und Ereignisse, die als Impulse für weitergehende Programme wirkten. Zur Definition der Themen sind vorbereitende Diskurse und vorgeschaltete Werkstätten wichtig.


Eine IBA folgt dem Anspruch, modellhafte Lösungen für aktuelle Probleme in baukultureller, ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht zu entwickeln. Durch ihren programmatischen Anspruch gelingt es, diese im internationalen Maßstab aufzuzeigen, zur Diskussion zu stellen und dadurch nachhaltig Fragen des Städtebaus und der gesellschaftlichen Entwicklung insgesamt anzuregen.


Jede IBA lebt zunächst von ihren gebauten Ergebnissen. Mit einer IBA wird die Aufmerksamkeit jedoch nicht allein auf das Gebaute, sondern auch auf die Wahrnehmung der Entstehungsbedingungen und der Qualität von Prozessen gelenkt. Jede IBA steht dafür, über die Qualifizierung von Verfahren zu einer neuen Planungs- und Baukultur zu gelangen, die als Zusammenspiel von Prozess- und Ergebnisqualität erkennbar wird.


Eine IBA muss von Anbeginn in der internationalen Dimension angelegt sein. International wird eine Bauausstellung durch herausragende Beiträge aus dem Ausland, durch die in den Projekten angelegte internationale Relevanz und durch eine international ausgerichtete Öffentlichkeitsarbeit.


Eine IBA wird durch Konzentration der intellektuellen, künstlerischen und finanziellen Kräfte auf einen überschaubaren Zeitraum möglich, als ein Ausnahmezustand auf Zeit. Sie ist ein Entwicklungslabor, in dem durch intensive Kooperation zwischen Experten und Betroffenen sowie durch deren Erfahrungen und Erfolge Projekte andernorts ermutigt werden können.


Eine IBA verlangt Mut zum Risiko. Sie ist ein Experiment mit offenem Ausgang. Dies muss allen Akteuren, Verbündeten und vor allem der Öffentlichkeit von Anbeginn bewusst gemacht werden, um Freiräume jenseits der Alltagspraxis eröffnen und ein breites Interesse an den Projekten wecken zu können.


Jede IBA braucht angemessene Organisationsformen, um zu exemplarischen und generalisierbaren Lösungen mit hoher Ausstrahlungskraft zu kommen. Nicht die bereits etablierten Verfahren und bewährten Handlungsmuster sind gefragt, sondern Phantasie in Programm, Gestaltung und Organisation sowie die Kunst der Improvisation und schnellen Reaktion auf Unvorhersehbares.
 
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Eine IBA lebt von ihrer Verbreitung. Zeitgemäße Strategien der Kommunikation sind Voraussetzung ihres Erfolgs. Jede IBA ist darauf angewiesen, die jeweils neuesten, wirksamsten Kommunikationsformen, -formate und -wege zu nutzen und weiter zu entwickeln.