Bio­tür­me Lauch­ham­mer

Cas­tel del Mon­te der Lau­sitz

Nach dem Abriss einer über 120 Hektar großen Industrieanlage ragen die heutigen Biotürme als letztes Relikt aus einer grünen Industriebrache hervor. Im Zuge der IBA see saniert, bilden sie mit ihrer Anmutung einer mittelalterlichen Burg eine einzigartige Kulisse für kulturelle Veranstaltungen aller Art. 

In den 1950er Jahren gelang es weltweit zum ersten Mal, hüttenfähigen Koks aus Braunkohle herzustellen. In Lauchhammer entstand eine gewaltige Kokerei, in der große Mengen von phenolhaltigen Abwässern anfielen. Diese wurden in einer speziellen Anlage, den sogenannten Biotürmen, mit Hilfe von Bakterien biologisch behandelt und gereinigt. Diese Türme der Großkokerei sind das Einzige, was der Stadt Lauchhammer geblieben ist. Alle anderen industriellen Anlagen sind mit der Stilllegung und dem Abriss von Brikettfabriken, dem Kraftwerk und der Kokerei nahezu völlig aus dem Stadtbild verschwunden. Für die IBA see war die Industriekultur ein wesentlicher Baustein der neuen Landschaft. Nach dem Motto „Zukunft braucht Herkunft“ sollten besonders eindrucksvolle Zeugnisse der Industriegeschichte der Region erhalten bleiben und umgenutzt werden. 

Gemeinsam mit dem Denkmalschutz und vielen weiteren Akteuren begann ein jahrelanger Kampf um den Erhalt dieses einmaligen und identitätsstiftenden Industriedenkmals. Mit Erfolg: Es wurde ein Träger gefunden, der als Bauherr umgehend mit der Sanierung begann. Die Türme wurden mit zwei gläsernen Aussichtskanzeln ausgestattet, die Besuchern einen Überblick über die Weite des ehemaligen Kokereigeländes verschaffen. 2008 konnten die Biotürme als begehbares Industriedenkmal und Veranstaltungsort eröffnet werden. Heute kann die Kulisse zwischen den Türmen Inszenierungen, Konzerten und Kunst-Installationen dienen. 

Adresse:
Finsterwalder Straße 57, 01979 Lauchhammer-West

Projektbeteiligte:
Bauherr: Biotürme Lauchhammer gGmbH
Architekten/Ingenieure: Büro Jähne & Göpfert (Cottbus), Zimmermann & Partner Architekten, bda (Cottbus)
Partner: Traditionsverein Braunkohle Lauchhammer e.V., Stadt Lauchhammer, Stiftung Kunstgussmuseum Lauchhammer

Quellen und weitere Informationen: 
www.iba-see2010.de
www.biotuerme.de

Die Biotürme Lauchhammer nach der Sanierung, 2009. Foto: Matthias Beyrow
Die Großkokerei Lauchhammer als sie noch in Betrieb war. Weit im Hintergrund die Biotürme als Abwasserreinigungsanlage, um 1990 © Disos-Archiv
Die Biotuerme Lauchhammer vor der Sanierung – letztes Relikt der einstigen Großkokerei, 1997. Foto: Christina Glanz
Seit 2008 sind die Biotürme begehbares Industriedenkmal und Veranstaltungsort. Der Traditionsverein Braunkohle Lauchhammer führt Gäste über das Gelände und zur Aussichtskanzel, 2009. Foto: Thomas Kläber